Drängeln und Behindern

Der Duden beschreibt drängeln als: „in einer Menge andere ungeduldig vorwärts- oder zur Seite schieben, um möglichst schnell irgendwohin zu gelangen, an die Reihe zu kommen“.

und behindern als: „jemandem, einer Sache hinderlich, im Wege sein; hemmen, störend aufhalten„.

Derzeit wird gegen die Drängler, besonders gegen Drängler auf Autobahnen, mobil gemacht. Die Drängler auf Straßen kommen meist von hinten oder von der Seite, oft mit hoher Geschwindigkeit, unterschreiten dann deutlich den Sicherheitsabstand, benutzen Blinker oder/und Lichthupe und machen klar, dass sie schneller fahren wollen als sie derzeit können, oder sich jetzt in die andere Fahrspur einfädeln wollen. Das ist gefährlich und belästigt und gefährdet andere Autofahrer. Ich bin gegen solches Drängeln.

Die StVO, die Straßenverkehrsordnung, legt fest, nach welchen Regeln in Deutschland gefahren werden darf. Sie gilt nicht nur für Autos (PKW und LKW) sondern auch für Motorradfahrer und Fahrradfahrer. In den ersten 5 Paragraphen ist das wesentliche gegen Drängler und gegen Behinderer festgelegt:

Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich immer voll auf den Verkehr konzentrieren. Die Ausrede „Das (Den) habe ich nicht gesehen“ darf es also eigentlich gar nicht geben.

 

Sind zwei oder mehr Fahrspuren vorhanden, gilt

innerhalb von geschlossenen Ortschaften:
Fahrzeuge bis 3,5 to zulässige Gesamtmasse dürfen die Fahrspur frei wählen. Rechts darf schneller als links gefahren werden.

außerhalb von geschlossenen Ortschaften:
bei zwei Fahrspuren ist die rechte Spur zu benutzen. Ist der Verkehr dichter, kann auch links gefahren werden, wenn die Verkehrslage dies rechtfertigt. Also nicht stur links, sondern von der Verkehrslage abhängig. Dabei bleibt das Gebot, grundsätzlich die rechte Spur zu benutzen, bestehen und wird für dichten Verkehr nur gelockert.

bei mehr als zwei Fahrspuren ist die am weitesten rechte Spur zu benutzen. Wenn auf dieser Spur -auch nur gelegentlich- ein Fahrzeug hält oder fährt, kann auch die zweite Spur von rechts befahren werden. Für jede weiter links liegende Fahrspur gilt, dass diese Spur genutzt werden kann, wenn die Verkehrslage dies rechtfertigt. Das bedeutet, dass auf der weiter rechts liegenden Spur zu dichter Verkehr herrscht oder dass der Verkehr dort zu langsam ist und man überholen möchte.

auf allen Fahrspuren gilt:
Überholt werden darf nur, wenn der Überholende eine wesentlich höhere Geschwindigkeit hat als der zu Überholende. Wechselt ein Fahrzeug die Fahrspur zum Überholen, hat er zu beschleunigen und wesentlich schneller zu fahren als das überholte Fahrzeug fährt. Wer überholen will, muss sich vor dem Spurwechsel vergewissern, dass der nachfolgende Verkehr nicht gefährdet wird.  Nach dem Ende des Überholvorgangs kann die Geschwindigkeit des Überholenden wieder vermindert werden.   Also: einfach rausfahren oder sich nach links zwischen zwei Autos quetschen geht gar nicht.

 

Der zweite Teil geht um die Behinderer.
Ich weis natürlich, dass es das Wort „Behinderer“ im Duden nicht gibt. Trotzdem benutze ich das Wort hier, weil „derjenige, der eine Behinderung verursacht“ zu lang und kompliziert ist.

Behinderer im Verkehr außerhalb geschllossener Ortschaften fahren nicht auf der rechten (richtigen?) Fahrspur, soweit die Verkehrslage es zulässt, sondern auf einer Überholspur. Sie fahren deutlich langsamer als nötig/möglich obwohl vor ihnen in Sichtweite niemand fährt. Sie fahren zum Beispiel deswegen auf der Überholspur, weil es dort freier ist, weil man nicht so oft die Spur wechseln muss, weil man schon so lange auf dieser Spur fährt, weil ja keiner hinter einem ist (war?), weil die anderen nicht so rasen sollen, weil sie sich nett mit dem Nachbarn unterhalten oder einfach die Landschaft oder das neue Auto genießen. Weil sie sich eben nicht voll auf den Verkehr konzentrieren! Oder weil sie schulmeisterlich unterwegs sind. Oder weil sie mit ihrem Fahrzeug nicht so schnell fahren können wie der „Drängler“ oder weil sie es ihm nicht gönnen.

Sie begehen dann eine  Ordnungswidrigkeit und sind gleichzeitig unfair. Mit ein wenig Rücksicht (ohne deswegen selber langsamer fahren zu müssen oder andere Nachteile zu erleiden) könnte das gemeinsame bewohnen dieses Landes um soviel  einfacher sein. Rücksicht bedeutet nicht immer, selber Nachteile zu erleiden.

 

Die derzeitige Diskussion bezieht sich weitaus überwiegend auf Drängler; die sind zum Beispiel mit Abstandmessungen leichter zu erfassen als Behinderer.
Aus Gründen der Fairness sollten alle, die durch ihr Fahrverhalten andere gefährden oder mehr als nötig behindern, in gleicher Weise angehalten werden, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Die Verfolgung nur eines Teils von Verkehrsteilnehmern ist unfair.

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