Höchstalter für Anhängerbereifung

Gelegentlich sollte man das Alter der Reifen seines Anhängers überprüfen, wenn der für 100 km/h zugelassen ist.#

Warum?
Die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO bestimmt Voraussetzungen, unter denen PKW mit Anhänger und andere Kraftfahrzeuge bis zu 100 km/h fahren dürfen, an Stelle der in der Straßenverkehrs-Ordnung bestimmten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Dort steht  im §3 der Neunten Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften der Straßenverkehrs-Ordnung (9. Ausnahmeverordnung zur StVO):

Zitat:
Die Reifen des Anhängers müssen zum Zeitpunkt der jeweiligen Fahrt, erkennbar am eingeprägten Herstellungsdatum, jünger als sechs Jahre und mindestens mit der Geschwindigkeitskategorie L (= 120 km/h) gekennzeichnet sein.
Zitat Ende.

Dieser Satz bedeutet, dass ein Anhänger, der für 100 km/h zugelassen ist, seine Zulassung (und damit seine Versicherung) verliert, wenn er am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt und dabei mindestens ein Reifen älter als 6 Jahre ist.

Das Herstelldatum und weitere Reifeneigenschaften -z.B. die zugelassene Höchstgeschwindigkeit- gehen aus der DOT-Nummer hervor, die auf nahezu allen Auto- und Anhängerreifen seitlich aufgebracht ist, oft nur auf einer Reifenseite.
Die DOT-Nummer besteht aus Buchstaben und Zahlen. Das Alter kann aus einer vierstelligen Zahl in der DOT-Nummer ermittelt werden, wobei die beiden ersten Ziffern dieser Zahl die Produktionswoche angeben und die beiden letzten Ziffern das Produktionsjahr.
Enthält die DOT-Nummer beispielsweise die Zahl 1418, dann wurde dieser Reifen in der 14. Woche des Jahres 2018 produziert, also im April 2018. Der Reifen darf bis zu sechs Jahren nach seiner Produktion an einem Anhänger mit 100 km/h Zulassung gefahren werden, in diesem Beispiel bis Ende der 13. Woche 2024, also bis Ende März 2024.

Davon vollkommen unabhängig ist die Gültigkeit der letzten technischen Überprüfung, landläufig auch TÜV-Plakette genannt.

Was ist daran fair oder unfair?

An sich ist gegen eine solche Regelung nichts zu sagen.
Erst in einem größeren Zusammenhang stellt sich diese Frage nach der Fairness.

Die oben angegeben Gesetzesstelle ist die Einzige, in der gesetzliche Vorgaben zum Höchstalter von Autoreifen gemacht werden.
Das bedeutet, das es keine Altersbeschränkung für die Bereifung von Anhängern gibt, die nur bis 80 km/h zugelassen sind oder für die Bereifung von PKW.
Wird nun der Reifen nach dem Ablauf von 6 Jahren auf einen Anhänger montiert, der nur bis 80 km/h zugelassen ist, ist das rechtlich ganz in Ordnung.

Hier stellt sich die erste Frage: warum soll das in Ordnung sein?
Welches andere Risiko ergibt sich? Der fragliche Reifen muss bei der ersten Montage eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h besessen haben, wie es in der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO festgelegt ist. Im Übrigen unterscheidet sich der Reifen nicht von einem solchen, der für eine Zulassung bis 80 km/h gebaut wurde, der aber zeitlich unbeschränkt benutzt werden darf.

Es stellt sich eine zweite Frage:
Wird der Reifen auf einen PKW mit auf höchstens 100 km/h beschränkter Höchstgeschwindigkeit montiert, darf das Auto mit diesem Reifen weiterhin 100 km/m fahren; dies auch mit einem Anhänger, der für 100 km/h zugelassen wurde. Warum sollte das zulässig sein? Der Reifen wird durch die Ummontage auf den PKW nicht besser.

Nun kommt nach etwas hinzu:
Im Internet findet man bei Wikipedia den Hinweis, dass ungebrauchte Autoreifen bis zu 5 Jahren nach der Produktion als neuwertig verkauft werden dürfen, wenn sie fachgerecht gelagert wurden. Das kann bedeuten, dass der Käufer eines Anhängers, der für 100 km/h zugelassen werden soll, die mitgelieferten Reifen nicht 6 Jahre lang benutzen darf. Es könnte auch  vorkommen, dass die Zulassung bereits nach etwa 1 Jahr erlischt.
Kauft ein Käufer jedoch einen Anhänger, der für 80 km/h zugelassen werden soll, unterliegt er keiner gesetzlichen Zeitbeschränkung für die Nutzung der Anhängerreifen.

Es stellt sich mir die dritte Frage:
Warum werden die Käufer so unterschiedlich behandelt?

Zuletzt stellt sich noch die vierte Frage:
Warum bestimmte der Gesetzgeber, dass von der Lebenszeit von Reifen für Anhänger mit 100 km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit bis zu 5/6 (entspricht 83%) beim Hersteller und 1/6 beim Käufer verbracht werden können? Hier sind die Risiken und Auswirkungen zwischen Industrie und Endkunden nicht ausgewogen.
In unserer Zeit mit den Möglichkeiten von ‚Industrie 4.0‘ und der entsprechenden Transportlogistik müsste nicht mehr davon ausgegangen werden, dass Reifen jahrelang beim Hersteller herumliegen, bevor sie eingebaut werden.
Ich möchte den Gesetzgeber zu einer Gesetzesänderung auffordern, um eine logische, faire und ausgewogene Lösung zu erarbeiten, gerne auch in Zusammenarbeit mit dir, dem Autor.

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