Höchstlohn

Die Festlegung von Löhnen und Gehältern ist in Deutschland nicht Aufgabe des Staates.

Zunächst einmal kann jeder, der in einem Beschäftigungsverhältnis arbeiten will, seinen Lohn mit seinem Arbeitgeber frei vereinbaren.
In vielen Fällen gibt es dafür Tarifverträge, oft auch betriebliche Rahmenvereinbarungen, an die mancher Arbeitgeber gebunden ist.
Höhere Löhne und Gehälter als im Tarifvertrag festgelegt, dürfen vereinbart werden und werden auch bezahlt.

Solche Vereinbarungen gelten in den meisten Fällen nicht für die oberen Führungsebenen in der Firma.

Eine einzige Lohngrenze wurde vom Staat jedoch festgelegt, der Mindestlohn, der für alle Beschäftigten -mit nur ganz wenigen- Ausnahmen- in allen Branchen und für alle Geschlechter gleich hoch ist. Im Jahr 2016 betrug der Mindestlohn gemäß dem Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz – MiLoG), §1, Abs. (2)  8,50 €/Zeitstunde brutto.

Der Mindestlohn ist im Grunde eine faire Sache. Zwar hatten die Unternehmerverbände vor der Einführung des Mindestlohngesetzes eine große Pleitenwelle in Gewerbe und Industrie vorhergesagt, diese ist aber nicht eingetreten. Heute können alle damit gut leben, vielleicht nicht so gut die Empfänger von Mindestlohn. Wir stehen hier noch am Anfang einer Entwicklung. So wurde der Mindestlohn ab 01.01.2017 auf 8,84 € angehoben, dass sind immerhin 4%. Ich glaube, das ist mehr als die durchschnittliche Lohnerhöhung.

 

Bei vielen regt sich Neid und Missgunst, wenn von hohen Gehältern und zusätzlichen Vergütungen oder Boni für bestimmte Menschen in den Geschäftsführungen großer Firmen gesprochen wird. Da wird über ein- bis zweistellige Millionenbezüge im Jahr verhandelt, für einen einzelnen Menschen.

Bei mir regen sich nicht Neid oder Missgunst Ich stelle mir die Frage, ob eine solche Ungleichheit in der Entlohnung nicht auf Dauer sozialen Unfrieden schafft und, wenn viele solcher Fälle existieren (Autoindustrie, Bankenbereich etc.) und gleichzeitig das allgemeine Lohnniveau nicht auch steigt und sich grundsätzliche Probleme bei der Alterssicherung auftun, wie man dem abhelfen könnte. Also keine Neiddebatte, sondern gesellschaftliche Vernunft.

Wie könnte das aussehen?
Etwa über einen gesetzlichen Höchstlohn?

Ein pauschaler Höchstlohn wäre der falsche Weg. Ein unternehmensbezogener Höchstlohn ist ein gerechter und fairer Weg.
Hier ein solches Model zum unternehmensbezogenen Höchstlohn:

Die Führung eines Unternehmens darf nicht mehr an Vergütung erhalten als das 100-fache des Durchschnittseinkommen der Mitarbeiter in diesem Unternehmen.
Die Vergütung der Führung des Unternehmens wird bei der Ermittlung des Durchschnittseinkommens nicht berücksichtigt.

Und das soll schon alles  sein?

 

Die Auswirkungen sind folgende:

Die Eigentümer eines Unternehmens können mit einer solchen Regelung für Vergütung ihres Führungspersonals der Verpflichtung nach § 14, Abs. 2 des Grundgesetzes nachkommen, wonach
>Zitat Anfang<
Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
>Zitat Ende<

 

Die Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen spielt keine Rolle, den ein Durchschnittseinkommen ergibt sich bereits bei einem einzigen Mitarbeiter.
Erhalten viele Mitarbeiter annähernd gleichen Lohn, bleibt der Durchschnittslohn auch bei zusätzlichen Mitarbeitern nahezu  gleich.
Diese Regel kann also für alle Betriebsgrößen angewendet werden.

 

Das finanzielle Ergebnis des Unternehmens käme der Unternehmensführung und den Mitarbeitern zu Gute. Schließlich sind motivierte Mitarbeiter gut für das Unternehmen. Die Führung des Unternehmens hat wegen der Bemessungsgrundlage der eigenen Vergütung keinen Anlass, die Löhne der Mitarbeiter zu tief nach unten zu senken. Das wirkt in gleicher Weise die der oben erwähnte Mindestlohn. Im Gegenteil, eine Anhebung des Durchschnittlohnes im Unternehmen könnte auch eine Erhöhung des Einkommens für die Unternehmensführung ermöglichen.

 

Die Einkommenshöchstgrenze sagt nichts darüber aus, wieviel Eigentümer von Unternehmen tatsächlich  an ihre Führungskräfte bezahlen. Die Eigentümer können, neben dieser Höchstgrenze, auch andere Faktoren zur Ermittlung einer Vergütung vorsehen: umsatzabhängig, gewinnabhängig, Abhängig von Anzahl und Größe von Rechtsstreitigkeiten, Einhaltung eigener Bemessungskriterien und vielem mehr.

 

Der Aufwand zur Ermittlung des Jahresdurchschnittseinkommens im Unternehmen und die Herausrechnung des Einkommensanteils der Unternehmensführung ist sehr gering, die Jahreslohnsumme wird auch aus anderen Gründen benötigt, die Anzahl der Mitarbeiter ist leicht zu ermitteln.

 

Ein gesonderter Inflationsausgleich ist nicht erforderlich, da sich die Inflation erfahrungsgemäß im Mitarbeiterlohn widerspiegelt. Die inflationsbedingten Lohnerhöhungen kommen auch dem Führungspersonal zu Gute.

 

Der Datenschutz wird bei der Ermittlung des Jahresdurchschnittseinkommens nicht verletzt, weil keine direkte Einkommenszuordnung zu einem bestimmten Mitarbeiter erfolgt.

 

Berechnungsbeispiel 1:
Liegt der Jahrs-Durchschnittslohn in einem Unternehmen bei 30.000 € kann die Unternehmensführung bis zu 100 x 30.000  = 3.000.000 € Jahresvergütung erhalten.
Das ist bei vielen kleineren Betrieben nicht erreichbar und ist daher keine wirkliche Beschränkung in diesen Fällen.

Erwirtschaften viele Mitarbeiter in großen Unternehmen so viel Gewinn, dass die Unternehmensführung eine noch höhere Vergütung erhalten könnte, muss zuerst das Durchschnittsgehalt der andern Mitarbeiter im Unternehmen erhöht werden.  Eine Lohnerhöhung um 5% hebt in diesem Beispiel den Jahrs-Durchschnittslohn in einem Unternehmen auf 31.500 €. Damit wäre eine Jahresvergütung für die Unternehmensführung in Höhe von 3.150.000 € zulässig. Ob das das Unternehmen auch tatsächlich bezahlt, ist eine andere Frage, diese Regelung benennt lediglich mögliche Höchstgrenzen.

 

Berechnungsbeispiel 2:
Im Vorschlag zur Festsetzung eines Höchstlohns ist der 100-fache Faktor zum Durchschnitteinkommen benannt. Das kann natürlich auch ein anderer Faktor sein, beispielsweise 200.
Beträgt der Jahrs-Durchschnittslohn in einem Unternehmen 30.000 € kann die Unternehmensführung in diesem Beispiel  bis zu 200 x 30.000  = 6.000.000 € Jahresvergütung erhalten.
Das ist bei viel mehr kleineren Betrieben nicht erreichbar und ist daher auch keine wirkliche Beschränkung in diesen Fällen.

 

Berechnungsbeispiel 3:
Auch ein kleinerer Faktor zur Festsetzung eines Höchstlohns ist möglich, beispielsweise der Faktor 50. Beträgt der Jahrs-Durchschnittslohn in einem Unternehmen 30.000 € kann die Unternehmensführung in diesem Beispiel  bis zu 50 x 30.000  = 1.500.000 € Jahresvergütung erhalten.
Das ist auch schon bei kleinen und mittleren Betrieben erreichbar und kann diese betreffen.

In allen drei Beispielen zeigt sich, dass eine ordentliche und angemessene Vergütung in jedem Fall herauskommt, denn ein angemessener und sogar aufwendiger Lebensstil wird in jedem Fall möglich sein.

 

Um ein Unterlaufen des Höchstlohns zu vermeiden, müssen in die Ermittlung der Jahresvergütung sowohl die monatlichen Zahlungen als auch Sonderzahlungen einbezogen werden. Ebenfalls zur Jahresvergütung zählen erfolgsabhängige Zahlungen und Prämien, Boni und ähnliches.

 

Juristische Personen und Geschäftsbesorger sollen der gleichen Regelung zum Höchstlohn unterliegen wie natürliche Personen.

 

Der Begriff Unternehmensführung sollte noch besser definiert werden:
Ist das nur der Chef? Das ist bei kleineren Unternehmen und bei Handwerksbetrieben oft so.

Geht es aber um ein größeres Unternehmen, bei denen die Erreichung des Höchstlohnes eher zu erwarten ist, besteht die Unternehmensführung meist aus mehreren Personen; bei Aktiengesellschaften besteht der Vorstand meist aus mehreren Vorstandmitgliedern, bei einer GmbH sind häufig mehrere Gesellschafter vorhanden. Auch bei anderen Gesellschaftsformen sind häufig mehrere Personen der Geschäftsführung zuzurechnen. Eine Definition kann hier nicht erfolgen, ist aber sicher lösbar.

Gehören mehrere Personen zum Führungspersonal, kann (innerbetrieblich) der Höchstlohn entsprechend der Hirarchiestufe begrenzt werden. Beispielsweise könnten Prokuristen bis max. 80 % des Höchstlohnes erhalten, oder nur der Vorstandvorsitzende 100% und andere Vorstandsmitglieder 90%.

 

Sicherlich gibt es noch viele Einzelheiten zu klären und festzulegen, aber das System stimmt. Es könnte bewirken, dass Art. 14 des Grundgesetzes nicht nur theoretisch im Raum steht, sondern seine Bestimmung umsetzt, dass Eigentum auch der Allgemeinheit -hier: den Unternehmensmitgliedern- zu Gute kommt.

 

Das ist eine faire Lösung.

 

Getagged mit:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*